«Die Chinesen essen den Planeten bei lebendigem Leib»

NZZ am Sonntag Magazin, 13. März 2024
Fotos von Earth League International
Er verhindert, dass Rhinohörner als Potenzpillen enden: Andrea Crosta führt den ersten Geheimdienst für Elefanten, Tiger und Seepferdchen. Und jagt die Jäger.

Andrea Crosta, Sie sind eine Schlüsselfigur im Kampf gegen den illegalen Handel mit Wildtieren und Umweltkriminalität. Wann haben Sie die letzte Morddrohung erhalten?

Andrea Crosta: Oh, vor vielen Jahren in Tansania. Damals ging es um Verbrechen in Jagdreservaten, die von Arabern betrieben wurden. Wir hatten belastendes Videomaterial, das zeigte, wie Zebras die Kehle durchgeschnitten wurde und sogar Kinder drauflosballerten – alles illegal natürlich. Die Kampagne, die wir damit lancierten, brachte viele Leute in Schwierigkeiten. Und Tansania war ein ziemlich gefährlicher Ort.

Inwiefern?

Einem meiner Freunde wurde in Dar es Salaam ins Gesicht geschossen, nachdem er die sogenannte «Ivory Queen» hinter Gitter gebracht hatte.

Die Chinesin, die Elfenbein von bis zu 400 Elefanten geschmuggelt hatte?
Ja, darum würde ich nie in den Ländern leben, in denen wir recherchieren und es nicht viel braucht, um jemanden umzubringen. Die gefährlichsten Einsätze mache aber nicht ich, sondern meine Undercover-Ermittler.

Wo sind die zurzeit?

In Mexiko und in Kolumbien. Wir haben immer einen Hauptfokus, den Handel mit Jaguarprodukten zum Beispiel, der meistens mit anderen Verbrechen wie Geldwäsche oder Drogenhandel einhergeht. Es gibt Leute, die einem gleichzeitig 300 Jaguarzähne anbieten, tonnenweise Haifischflossen, Elfenbein, aber auch Heroin, Waffen oder illegale Pässe. Es ist wie beim Fischen: Man sucht nach einem bestimmten Fisch, hat aber noch eine Menge anderer Dinge im Netz.

Sie haben dazu beigetragen, den Elfenbeinhandel in China zu verbieten, einen bolivianischen Jaguarring zu sprengen oder das mexikanische Kartell des Meeres zu verfolgen. Welches ist der grösste Fisch, den Sie je gefangen haben?

Letzten Mai wurden in San Diego zwei Personen verhaftet, die mit geschützten Schildkröten, Seepferdchen und den Schwimmblasen der bedrohten Totoaba-Fische handelten. Jahrelang konnten diese Leute unbehelligt zwischen Mexiko, den USA und China operieren. Eine der festgenommenen Personen hatte Totoaba-Blasen im Wert von zwei Millionen Dollar. Und wir haben die Beweise für ihre Verhaftung geliefert. Das ist mir persönlich sehr wichtig.

Ist dieser Kampf wichtiger als der gegen Nashornhändler oder Elefantenjäger?

Im Gegensatz dazu ist die Jagd auf Totoaba eng mit vielen anderen Tieren verknüpft, die als Beifang in den illegalen Kiemennetzen landen: Schildkröten, Delfine und – insbesondere – Vaquitas, die kleinsten Wale der Welt.

Gibt es überhaupt noch Vaquitas?

Im Golf von Kalifornien sollen noch 15 Tiere leben. Unabhängig von ihrem Schicksal habe ich mir geschworen, alle Totoaba-Händler ausfindig zu machen. Inzwischen kennen wir 13 Netzwerke, die in Mexiko auch in Menschenschmuggel oder Geldwäscherei involviert sind. Ich bereue nur, all das nicht früher getan zu haben.

Weil es vermutlich zu spät ist, um die Vaquitas zu retten?

Ja. Es ist ein symbolischer Kampf. Artensterben in Echtzeit, wie es auf der ganzen Welt passiert. Und es zeigt die Fehler auf: Zu lange wurde Krieg gegen die Fischer geführt, man hat ihre Boote gejagt, Netze zerstört, während sich die Drahtzieher am anderen Ende der Lieferkette eine goldene Nase verdienten.

Wie viel ist so eine Totoaba-Blase denn zurzeit wert?

Ein mexikanischer Fischer verdient monatlich rund 500 Dollar. Für einen einzigen Totoaba bekommt er rund 3000 Dollar. Auf dem asiatischen Schwarzmarkt bringen sie dann bis zu 70000 Dollar ein.

Dabei sehen sie so eklig aus wie getrocknete Urinsäcke.

Ach, wissen Sie, die Chinesen haben einen unstillbaren Appetit auf alles. Totoaba-Blasen gelten als Delikatesse. Ausserdem haben sie laut der traditionellen Medizin wundersame Wirkungen. Je älter sie sind, desto goldener und teurer werden sie. Als rare Sammelstücke isst man sie natürlich nicht mehr. Kein Wunder, ist das Sinaloa-Kartell eingestiegen, um mit den asiatischen Händlern zu arbeiten.

Und wer ist der Pablo Escobar der Wildtiermafia?

Es gibt viele Parallelen zwischen Umweltkriminalität und Drogenhandel, aber einen fundamentalen Unterschied: die Überschneidungen zwischen legalen und illegalen Geschäften. Wildtierhändler betreiben normalen Import-Export, haben Restaurants, Hotels, Supermärkte, exportieren etwa Fisch, aber eben auch illegale Haifischflossen oder Seegurken. In 90 Prozent der Fälle sind sie den Strafverfolgungsbehörden völlig unbekannt und so unsichtbar wie Geister.

Um sie sichtbar zu machen, haben Sie Earth League International gegründet. Wie gehen Sie vor?

Wie ein Geheimdienst: In einem ersten Schritt rekrutieren wir Quellen und führen Gespräche mit allerlei Informanten, bis wir wissen, wo die Druckpunkte sind.

Druckpunkte?

Wer am richtigen Ort Druck ausübt, kann die ganze Lieferkette lahmlegen. Und das ist bei den Händlern. Sie sind es, die Bestellungen aufgeben, den Export organisieren oder die Fischer mit Tausenden Dollar teuren Kiemennetzen ausstatten. Darum investieren wir sehr viel Zeit, um herauszufinden, wer mit wem verbunden ist, wer wichtig ist und wer nicht. Dann beginnt Phase 2. Die verdeckten Ermittlungen. Genau. Wir versuchen, das Vertrauen dieser Zielpersonen zu gewinnen. Sind wir Freunde, sagen sie uns praktisch alles.

Wie befreundet man sich mit Menschen, die Schuppentieren die Haut bei lebendigem Leib abziehen?

Nochmal: Wilderer interessieren uns nicht. Sie sind die Niedrigsten in der Lieferkette und wissen in der Regel nicht viel. Unsere Zielpersonen sind Leute, die in den Villen von Bogotá oder New York leben, tausend Dollar für ein Mittagessen ausgeben und ihre Kinder auf teure Internate schicken. Man muss eine glaubwürdige Geschichte entwickeln und sich Zeit nehmen, um ihr Vertrauen zu gewinnen.

Angenommen, Sie müssten mich schulen: Wie komme ich in diese Netzwerke hinein?

Gar nicht. An deren Spitze stehen meistens Asiaten. Wer nur schon Kontakt aufbauen will, muss auch aus dieser Region stammen. Die beste Tarnung ist, sich als Geschäftsmann auszugeben. Die erste Phase ist sehr heikel, man darf kein Misstrauen wecken, um akzeptiert zu werden.

Aber das dauert Monate, wenn nicht Jahre.

Es kann bis zu drei Jahre dauern, um zu einer wichtigen Person durchzudringen, mit einer Mischung aus Schauspielerei und Psychologie – insgesamt ist es eine Kunst, die nicht viele beherrschen. Meine rechte Hand war fast 30 Jahre beim FBI und hat Netzwerke wie das von El Chapo infiltriert.

FBI? Und jetzt arbeitet er für eine NGO mit 20 Leuten?

Ich sagte ihm: Du hast gegen die russische Mafia gekämpft, gegen Pädophile und korrupte Beamte. Ich aber habe den wichtigsten Kampf, den du je gekämpft hast, und das ist der Kampf für den Planeten.

Das hat ihn überzeugt?

Ja. Und so haben wir eine Art Minigeheimdienst aufgebaut, um Informationen über die Drahtzieher der Wildtiermafia zu sammeln. Haben die einmal Vertrauen gefasst, ist es unglaublich, was sie alles erzählen: von Handelsrouten über bestochene Zollbeamte bis zu korrupten Ministern.

Im Film «The Ivory Game», der auch Ihre Arbeit gegen Elefantenjäger dokumentiert, bluffen die richtiggehend mit dem Elfenbein in ihren Regalen.

Wildtierhändler sind Angeber. Und das ist typisch für viele Kriminelle, weil sie im Verborgenen agieren. Vertrauen sie endlich jemandem, wollen sie zeigen, wie gut sie sind. Es ist eine Frage der Erfahrung, den richtigen Zeitpunkt abzuwarten, um nach illegalen Produkten zu fragen. Unsere Ermittler gehen auf Hochzeiten, nehmen an Geburtstagsfesten und Familienfeiern teil. Irgendwann ist es so weit.

Was Sie erzählen, klingt wie aus einem Film. Manchmal erlebt man tatsächlich filmreife Szenen.

Bei einem Treffen in Südamerika zum Beispiel bekam ein Jaguarhändler während unseres Gesprächs einen Anruf von einem Kontakt, der ihn vor uns warnen sollte. Im Gegensatz zu den Strafverfolgungsbehörden arbeiten die Netzwerke sehr gut zusammen.

Wieso eigentlich müssen Sie den Job der Polizei machen?

In vielen Ländern sind die Behörden korrupt, und überall fehlen Ressourcen. Obwohl der illegale Wildtierhandel jährlich schätzungsweise bis zu 23 Milliarden Dollar generiert, fliesst wenig Geld in die Verfolgung. Die Zuständigen können nicht über Landesgrenzen agieren, die Bürokratie ist langsam, und oft fehlt es an Fachwissen. Viele Zollbeamte vermuten zwar, Totoaba-Blasen gesehen zu haben, China oder Taiwan importieren jedoch auch tonnenweise Schwimmblasen von Fischen, die legal gefangen werden dürfen, aber praktisch identisch aussehen. Wie sollen Laien die von Totoaba erkennen?

Die Tricks der Schmuggler kennen keine Grenzen. In Amsterdam zum Beispiel wurde ein Mann mit lebendigen Kolibris in den Unterhosen festgenommen.

Im Gegensatz dazu kann man Jaguarzähne einfach in die Tasche stecken. Und in Containern voller legalem Fisch nach Haifischflossen zu suchen, ist hoffnungslos. Darum ist unsere Arbeit wichtig für die Strafverfolgungsbehörden. Aber auch wir haben lange den Fehler gemacht, sie mit Fällen zu konfrontieren, die für sie nicht interessant sind. Wer «nur» Tiere tötet, mag für uns relevant sein, aber nicht für das FBI. Darum ist es so entscheidend, auch die anderen Verbrechen dieser Leute aufzuzeigen.

Immer ist dabei von Chinesen die Rede.

Sie importieren am meisten illegale Wildtierprodukte und essen den Planeten bei lebendigem Leib. Einen Markt gibt es aber auch in Vietnam, Taiwan oder Thailand.

Wie erklären Sie sich das?

Das Problem ist die Kultur. Elfenbein zum Beispiel wird seit Jahrhunderten für die Schnitzkunst gebraucht. Inzwischen ist es ein Statussymbol. Ebenso Jaguarzähne, die Mafialeute besonders gerne um den Hals tragen. Die Knochen werden oft als solche von Tigern verkauft und in Wein oder Paste verarbeitet, um Krankheiten wie Arthritis zu behandeln. Das Fleisch der Pangoline gilt als Delikatesse, während ihre Häute in der traditionellen chinesischen Medizin gegen Rheuma eingesetzt werden. Und das Rhinohorn heilt angeblich Impotenz.

Besteht das nicht aus Keratin?

Doch. Sie können also auch Fingernägel essen, statt Rhinohorn zu sniffen, wie es inzwischen auch konsumiert wird.

Laut Uno sind rund eine Million Tier- und Pflanzenarten vom Aussterben bedroht. Der Verlust von Lebensräumen und der illegale Handel gelten als Hauptursachen. Einverstanden, dass der Naturschutz gescheitert ist?

Das ist eine schwierige Diskussion. Es gibt einfach zu viele Menschen, denen die Natur egal ist. Die wahre Pandemie auf diesem Planeten ist meiner Ansicht nach Gleichgültigkeit, die alle umbringen wird. Kommt dazu, dass der Naturschutz in den Händen von wenigen grossen NGO mit gigantischen Budgets liegt, die bestimmen, was getan wird und was nicht. Ich nenne sie «Seven Sisters» – sie beherrschen den Markt wie die gleichnamigen Ölfirmen in den siebziger Jahren.

Jetzt übertreiben Sie.

Gar nicht. Es gibt auch im Naturschutz ein Monopol. Ich war 25 Jahre in der Wirtschaft, und glauben Sie mir: In der NGO-Welt geht es härter zu. Mir wurde schon oft in den Rücken gestochen von NGO-Leuten. Weil sie nicht tun können, was wir tun. Die haben Büros in vielen Ländern, die sie morgen schliessen müssten. Es ist ein einziger Kampf ums Geld.

Was ist der schlimmste Fehler, den diese «Seven Sisters» gemacht haben?

Die Wilderer als Bösewichte zu sehen. Deshalb sind sie gescheitert – sie hatten über viele Jahrzehnte das falsche Ziel.

Die beiden letzten Nördlichen Breitmaulnashörner werden 24 Stunden von bewaffneten Rangern bewacht.

Und genau diese Militarisierung ist das Problem. Sie werden sterben, früher oder später. Die Grosshändler sind mächtig genug, um jedes Jahr Hunderttausende Wilderer hervorzubringen. Wenn Sie die nicht stoppen, jagen Sie für den Rest Ihres Lebens Wilderer. Und viel Glück dabei.

Vor 13 Jahren haben Sie als Sicherheitsberater auch noch Ranger trainiert.

Das war mitten in der sogenannten Elefantenkrise. Wir verloren pro Jahr bis zu 50000 Tiere. Es war Horror: Man konnte über Afrika fliegen und ganze Herden sehen, die niedergemetzelt worden waren. Einmal stiessen wir auf eine Elefantenfamilie, die eben mit Kalaschnikows abgeknallt wurde. Überlebt hat nur ein einziges Elefantenbaby. Es war eine der schrecklichsten Szenen meines ganzen Lebens.

Der Moment, der alles veränderte?

Ja, ich fühlte mich schuldig, nicht mehr für die Tiere getan zu haben. Und auch den Blick der Ranger werde ich nie vergessen. Einige von ihnen hatten nicht einmal Schuhe. Und ich dachte: Die ganze Welt verlangt von diesen Leuten, das Problem der Wilderei zu lösen. Das ist so verrückt, wie wenn Dorfpolizisten die Drogenkartelle bekämpfen müssten.

Oder Terrororganisationen wie al-Shabaab, die sich auch mit Elfenbein finanzierte.

Das haben wir publik gemacht. Ein Umdenken fand jedoch erst 2013 statt, mit dem Überfall auf das Einkaufszentrum in Nairobi. «Elefantenwilderei half, den Anschlag in Kenya zu finanzieren», wurde geschrieben, und sogar Hillary Clinton machte auf die Verbindung zum Elfenbeinhandel aufmerksam. Sonst hätte China ihn nie verboten.

Lange war Afrika das Epizentrum. Wie ist das heute?

Wir fokussieren uns auf Lateinamerika. Noch verfügen diese Länder über die grösste Artenvielfalt der Erde. Gleichzeitig sind die kriminellen Netzwerke wegen der Drogenkartelle viel raffinierter. Unsere Operation Jaguar ist ein gutes Beispiel dafür, wie der Wildtierhandel mit anderen Verbrechen einhergeht. Einige Zielpersonen gehören zu den grössten Geldwäschern Lateinamerikas. Andere schmuggeln Migranten durch die Darién-Lücke, im Grenzgebiet von Panama und Kolumbien. Aber wissen Sie, was das Überraschendste war?

Nein.

In Lateinamerika haben wir von diesem Grosshändler in Rotterdam erfahren, dessen Netzwerk 800 Kunden in europäischen Ländern wie Italien, Deutschland oder Polen mit Pangolin- und Rhinopillen versorgte. Sie haben sich offenbar extra eine Maschine gekauft, um die Häute und Hörner zu pulverisieren.

Ist das eine neue Konsumform?

Nein. In der chinesischen Medizin ist es üblich, Tabletten aus allem Möglichen herzustellen. Neu war für uns, dass es in Europa einen Markt dafür gibt. Bis anhin waren uns insbesondere der Flughafen in Amsterdam oder Hafenstädte wie Rotterdam als Transitorte bekannt. Jetzt ist klar: Was nach Europa kommt, kann auch in Europa bleiben.

Auch in der Schweiz?

Nicht dass ich wüsste. Bei Ihnen wird vor allem Geld gewaschen.

Profitieren Wildtierhändler eigentlich auch von den sozialen Netzwerken, wie etwa Pädophile?

Asiaten nutzen sicher We Chat, das chinesische Pendant zu Whatsapp. Es ist ein Darknet für Wildtierprodukte. In geschlossenen Gruppen wird alles angeboten, von Haifischflossen bis zu Rhinohorn. Das grösste Problem sind aber nicht die sozialen Netzwerke, sondern das industrielle Level – Grosshändler, die Tonnen von Haifischflossen oder illegalem Holz in Containern verschiffen.

Die Umweltikone Jane Goodall ist Ihr Fan, der Schauspieler Leonardo DiCaprio hat zwei Filme finanziert, in denen Ihre Arbeit porträtiert wird. Sind das Ihre Geldgeber?

Von Leo habe ich nie Geld bekommen, und Jane hilft mir vor allem hinter den Kulissen. Ich sage Ihnen, der schwierigste Teil meiner Arbeit ist nicht, verdeckt zu ermitteln, sondern Geld zu sammeln. Die Leute haben ein bisschen Angst vor dem, was wir machen.

Sie loten sicher auch die Grenzen der Legalität aus.

Nein, wir rammen keine Schiffe wie Sea Shepherd und haben auch keine Waffen. Ich sage immer, wir tun nichts Illegales. Wir kaufen nichts Illegales. Wir sind einfach sehr gut darin, ihre Freunde zu werden. Aber das ist auch deshalb schwer zu verkaufen, weil wir keine schnellen Resultate bringen und aus Sicherheitsgründen vieles vertraulich behandeln müssen. Und Sie werden überrascht sein, wie viele Spender noch immer glauben, dass das einzige effektive Mittel das Abknallen von Wilderern sei.

Wie bitte?

Ich kann Ihnen keine Namen nennen. Aber einmal habe ich eine Präsentation für einen Milliardär gehalten, der mir am Ende sagte: Ich spende jedes Jahr mehrere Millionen Dollar an eine NGO, die mit meinem Geld Wilderer tötet. Wenn ich sage: «Hey, hört zu, ich fühle mich nicht wohl dabei, Wilderer zu töten», schauen die einen schräg an und sagen: «Oh, Sie sind also nicht für den Schutz dieser Tiere?»

Man hört auch, dass zu viel Geld in den Kampf gegen den Klimawandel fliesst.

Absolut. Dabei haben wir den doch längst verloren. Oft fehlt es auch an Wissen über ökologische Zusammenhänge. Dass etwa Haie an der Spitze der Nahrungskette für die Gesundheit der Ozeane sorgen und die wiederum wertvolle CO2-Speicher sind, muss ich immer wieder erklären. Als ich einmal ein Meeresschutzprojekt vorstellte, hörte ich am Schluss: Sorry, wir machen nur Klimawandel. Da kann ich noch lange argumentieren: Genau darum geht es doch dabei.

Was lässt Sie eigentlich noch hoffen?

Liebe. Ich persönlich habe Tiere immer ebenso geliebt wie meine Familie, vielleicht sogar mehr. Darum habe ich ursprünglich Zoologie studiert. Und würden Sie nicht für Ihre Familie kämpfen, auch wenn es hoffnungslos wäre?